Hakenkreuz und Amistern

Hakenkreuz und Ami-stern 
Die Freiwillige Feuerwehr Rauenthal im 2. Weltkrieg und im Wiederaufbau

Der Ausbruch der 2. Weltkrieges traft unsere Feuerwehr über die Maßen hart. Die überwiegend jungen Feuerwehrmänner mussten sehr bald zum Militärdienst einrücken. dies hatte zur folge, dass kaum noch Feuerwehrmänner zur Sicherstellung des Brandschutzes in Rauenthal verblieben waren. 


FrauenwehrUm diesen Mangel zu beheben, wurde 1942 eine HJ-Feuerwehr aus 14 bis 17 jährigen Jugendlichen gebildet.

Dieser „Jugendfeuerwehr“ oblag nicht nur der   Brandschutz in unsrer Heimatgemeinde. Auch bei den tagelangen Einsätzen nach den schweren Bombenangriffen auf Frankfurt am Main 1943/44 mussten sich diese Jungs bewähren. 
Nachdem der Moloch Krieg immer mehr Opfer gefordert hatte, mussten bald auch die Mitglieder der HJ-Feuerwehr den feldgrauen Rock tragen. Der Brandschutz in Rauenthal wurde nun in die zarten Hände von 17 bis 20 jährigen Mädchen gelegt. 
Auch den Mitgliedern der Damenfeuerwehr blieb der Schrecken des Krieges nicht lange verborgen. Im März 1945, also wenige Tage bevor der Rheingau von den amerikanischen Truppen besetzt wurde, schossen alliierte Tiefflieger das als SS-Kampfschule dienende Kloster Tiefenthal in Brand. Bei den anschließenden tagelangen Lösch- und Bergungsarbeiten wurden die Feuerwehrmädchen nicht nur von dem Brand selbst, nein, auch von explodierender Munition und immer neuen Tieffliegerwellen gefährdet. Die Bergung der zahlreichen Toten, überwiegend junge Soldaten, kaum älter als die Mädchen von der Feuerwehr, war eine besondere psychische Belastung für die Mädels. Hatten doch viele mit den Burschen von der Militärschule Freundschaft geschlossen. Die hohe Zahl der Toten läßt sich darauf zurückführen, daß die überwiegende Zahl der Fenster in den alten Kloster massiv vergittert war und hierdurch den Soldaten jedoch Möglichkeit dem verheerenden Brand zu entfliehen genommen war. 


Frauen mit SpritzeEin großer Teil der Ausrüstung unserer Wehr, insbesondere des Schlauchmateriales, wurde bei diesem Einsatz ebenfalls zerstört, und an Ersatz war nicht zu denken. 
Nachdem die US-Army Ende März 1945 den Rhein überschritten hatte und Koblenz besetzt wurde, musste die Rauenthaler Bevölkerung in Höhe der Firma EFEN Panzersperren errichten. Da man jedoch wusste, dass die alliierten Streitkräfte mit diesen einfachen Sperren einerseits nicht aufzuhalten sein würden, andererseits aber auch bekannt war, dass die Amerikaner in vielen Ortschaften die Motor betriebenen Feuerwehrpumpen beschlagnahmten, wurde unmittelbar vor dem Einmarsch der US-Truppen in Rauenthal am 29.03.1945 kurzerhand die Feuerwehrpumpe im Kokslager der Pfarrkirche versteckt. Das wenige noch vorhandene Benzin wurde im Heizungsraum der Kirche verborgen. Wie wichtig und richtig dies war zeigte sich bald nach dem Einmarsch der Amerikaner. Kurz nach deren Eintreffen erkundigten sich diese nämlich bei dem Bürgermeister nach der Motorspritze der örtlichen Feuerwehr. Doch dieser erklärte den Besatzungstruppen dann offensichtlich sehr glaubhaft, dass die abrückende Wehrmacht dieses Gerät mitgenommen habe. Gruppenbild FrauenDurch diese Notlüge blieb der Rauenthaler Feuerwehr die Motorspritze erhalten, während in vielen anderen Orten diese Geräte auf Nimmerwiedersehen verschwunden waren. Als sich nach einigen Monaten die Lage wieder etwas normalisiert hatte und das Interesse der Amerikaner an den Feuerwehrpumpen nachgelassen hatte, wurde die Motorspritze wieder aus ihrem Versteck geholt. Doch das wenige Benzin, welches über den Krieg gerettet werden konnte, war bald aufgebraucht und neuer Kraftstoff faktisch nicht zu erhalten. Hier konnte ein in Rauenthal lebender Holländer helfen. Er war nicht nur bei den „Amis“ beschäftigt, sondern er bekam als Nichtdeutsche auch noch Benzingutscheine. Und mit dem „Ami-Sprit“ des Holländers lief dann die deutsche Motorspritze noch einige Zeit. 

Mit Rückkehr der Männer aus dem Krieg und der Gefangenschaft übernahmen diese auch wieder den Brandschutz. Der frühere stellvertretende Ortsbrandmeister Vinzens Wagner, der dieses Amt seit der Gründung der Wehr inne hatte, übernahm, nachdem Ortsbrandmeister Willi Oppermann zum Kriegsdienst einberufen wurde, die Führung der Rauenthaler Feuerwehr und führte diese bis nach dem Krieg. 

Am 6. Januar 1946 fand dann die erste Nachkriegsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Rauenthal statt. Es meldeten sich 20 neue Mitglieder, fast durchweg Mitglieder der ehemaligen Feuerwehr-HJ. Bei einer weiteren Versammlung am 7. Juli 1946 wurde ein neues Kommando gewählt: Franz Schäfer wurde Ortsbrandmeister und Fritz Hammann dessen Vertreter. Gleichzeitig wurde der Gründer unserer Feuerwehr und ehemalige Ortsbrandmeister Jakob Sturm zu Ehrenkommandanten ernannt. 

TS88Zur Verbesserung des Brandschutzes kaufte die Rauenthaler Feuerwehr am 15.08.1946 eine Motorspritze TS 8/8 samt Anhänger aus Beständen der ehemaligen Wehrmacht. Als die Pumpe beim Händler in Seitzenhahn mit einem LKW abgeholt werden sollte, wurden die Feuerwehrmänner von amerikanischen Soldaten festgenommen. Obgleich die Militärregierung den Feuerwehren wieder das Tragen von Uniformen gestattet hatte, vermuteten die GI’s statt er Feuerwehrleute Soldaten einer Untergrundarmee angetroffen zu haben. Erst nach stundenlangen 
Verhören konnte die Feuerwehrmänner die Fahrt wieder fortsetzen. 

Der Sommer 1947 brachte ein derartige Trockenheit mit sich, dass es in Rauenthal zum Wassernotstand kam. Um die größte Not zu lindern versorgt die Feuerwehr mit der im Vorjahr beschafften TS 8/8 dann unseren Ort vom Trinkwasserbehälter des Klosters Tiefenthal, der, bedingt durch seine doppelt günstige Lage sowohl weder von den Tieffliegern zerstört wurde noch bei der starken Dürre austrocknete. 

Nachdem Ortsbrandmeister Franz Schäfer nach Martinsthal verzogen war, wurde am 17.09.1947 an seine Stelle Alex Fehlinger gewählt. 1948 schied der stv. Ortsbrandmeister Fritz Hamann auf eigenen Wunsch aus seinem Amt aus. Sein Nachfolger wurde Philipp Werner. 

Nachdem Alex Fehlinger bereits 1949 vom Amt des Ortsbrandmeisters zurückgetreten war, wählte die Mannschaft den bisherigen Ehrenkommandanten Jakob Sturm erneut zum Ortsbrandmeister. Er führte dann 12 Jahre lang unsere Wehr. Diese Kontinuität war ein wichtiger Meilenstein in der schwierigen Zeit des Wiederaufbaues des Gemeinwesens und auch der Feuerwehr. 

Eine der ersten wesentlichen Maßnahmen, welche dann unter der erneuten Führung von Jakob Sturm durchgeführt wurden, war der Aufbau eines Schlauchtrockenturmes auf dem Feuerwehrgerätehaus im Jahre 1952. Gleichzeitig wurde dort auch eine Sirene installiert. So konnte nicht nur das Schlauchmaterial ordnungsgemäß getrocknet werden, auch die Alarmierungsmöglichkeiten wurden hier verbessert.