Aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer 
Von der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rauenthal bis zum 2. Weltkrieg

Nachdem die Idee zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rauenthal geboren war, ging man auch gleich an die Umsetzung. So wurde am 16.05.1930 durch die „Ortsschelle“ zu einer Versammlung 10 Tage später im Rheingauer Hof eingeladen. Die Leitung dieser Versammlung lag in den Händen vor Bürgermeister Becker. Der Einladung folgten 21 Rauenthaler Bürger, welche dann auch die Freiwillige Feuerwehr Rauenthal gründeten und an diesem Tage Jakob Sturm zum Ortsbrandmeister und Vinzens Josef Wagner zu dessen Stellvertreter wählten. 

Wegen des starken Interesses an der Freiwilligen Feuerwehr fand dann am 31.05.1930 eine erneute Versammlung statt. Bei dieser Gelegenheit traten nochmals 11 Mitglieder der neuen Wehr bei. Außerdem konnte der Vorstand komplettiert werden. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf monatlich 20 Pfennig festgesetzt. 


TomWeiterhin wurde beschlossen, dass bis zur Ausbildung der Hornisten die Ankündigung der Übungen durch die Ortsschelle erfolgen solle. 

Sobald jedoch die Hornisten ausgebildet waren, übernahmen sie diese Aufgabe. Da der überwiegende Teil der Rauenthaler Feuerwehrmänner in den Weinbergen am Rauenthaler Berg arbeiteten, mussten die Hornisten im Alarmfalle auch dort das Signal blasen. Bedenkt man die dabei zurückzulegenden Wege, sicher keine leichte Aufgabe. 

Bald schon nach der Gründung sollte die Freiwillige Feuerwehr Rauenthal im wahrsten Sinne des Wortes ihre Feuertaufe erhalten. Am 30.06.1930 wurde die Wehr, noch ohne Uniformen und nur mit den alten Geräten der Pflichtfeuerwehr ausgerüstet, zum Brand des Hauses Neugasse 116 gerufen. Zwar konnte das Gebäude nicht gehalten werden, doch konnte ein Übergreifen der Flammen verhindert werden. Dieser Brand zeigte jedoch sehr deutlich, dass allein mit gutem Willen und wackerem Tun ein Feuer nicht wirksam bekämpft werden kann. 

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Erster Einsatz der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr im Juni 1930. Die Wehr besaß noch keine Uniformen. 

So entschloss sich die Gemeinde Rauenthal der Feuerwehr zum Kauf der nötigsten Ausrüstungsgegenstände einen Betrag von 200 Mark zur Verfügung zu stellen. Die Nassauische Brandversicherung steuerte für den gleichen Zweck einen Betrag von 350 Mark und die Staatsdomäne eine Summe von 150 Mark bei. Die Allianz-Versicherung förderte die Wehr mit 75 Mark und die Leipziger-Versicherung und die Gothaer-Versicherung erbrachten jeweils einen Betrag von 30 Mark. Als wesentlichste Anschaffung im Gründungsjahr ist der Kauf einer fahrbaren 10 Meter Leiter zu bewerten. Die Uniformen wurden von den einzelnen Mitgliedern selbst bezahlt. Ohne die Einräumung einer Ratenzahlungsmöglichkeit wäre dies vielen Aktiven in Anbetracht der Weltwirtschaftskrise sicher nicht möglich gewesen. 

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Natürlich war die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr ein wichtiges Ereignis im Rauenthaler Ortsgeschehen und wurde daher auch entsprechend gefeiert. So fand am 12. Oktober 1930 ein Gründungsfest in der Rauenthaler Winzerhalle statt. Diese Feier, zu welcher der Kreisfeuerwehrverband eingeladen hatte, wurde von den Rauenthaler Ortsvereinen mitgestaltet. 

Nach Lieferung der fahrbaren Leiter im Dezember 1930 konnte dann die 31 Mann starke Wehr im Januar des folgenden Jahres in eine Spritzenabteilung und eine Steigerabteilung gegliedert werden. 

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Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 liefen bald die ersten Maßnahmen zur Kriegsvorbereitung an. Hierzu gehörte auch der Aufbau eines wirkungsvollen Luftschutzes. So wurden die Städte und Gemeinden im damaligen Deutschen Reich zum Bau von Löschwasserbehältern und zur Ausstattung der Feuerwehren mit Motorspritzen verpflichtet. So kam es auch, dass die Gemeinde Rauenthal im Jahre 1936 zwischen dem Rathaus und dem Anwesen Häuser die heute noch bestehende Löschwasserzisterne mit 90 Kubikmetern Inhalt errichten lies. Im Jahre 1937 folgte dann der Kauf der ersten Tragkraftspritze für unsere Wehr. 

TragkraftspritzeEs handelte sich dabei um eine Flader TS 4/8 auf einem offenen Tragkraftspritzenanhänger. Endlich war unsere Wehr in der Lage, auch über längere Zeit einen gleichmäßigen Löschwasserstrahl zur Brandbekämpfung einzusetzen. Die Lieferung dieser Motorspritze, welche erst 1976 - also nach 39 Dienstjahren endgültig ausgemustert wurde - brachte im Rauenthaler Feuerwehrwesen einige Umbrüche mit sich. So konnte die Pflichtfeuerwehr, welche nur noch die Pump-Mannschaft für die Handdruckspritze stellte aufgelöst werden, gleichwohl blieb dieses Gerät, traute man damals doch der Technik noch nicht sehr weit, als Reservepumpe erhalten. 

TSGleichzeitig erfolgt, da die Unterbringungsmöglichkeit im alten Spritzenhaus im Rathaus für die Unterbringung der gesamten Feuerwehrgerätschaften nunmehr zu eng geworden war, der Umzug der Feuerwehr in das ehemalige Kimmel’sche Kelterhaus in der Hauptstraße, welches die Gemeinde zwischenzeitlich erworben hatte. Nach einem Umbau des Gebäudes fand dort nicht nur die Feuerwehr ihr neues Domizil, auch der Kindergarten hielt dort Einzug. Übrigens dient dieses Gebäude auch noch heute, nach Weggang des Kindergartens und einigen Umbauten, unserer Wehr immer noch als Gerätehaus, wenn auch mit einigen Außenstellen, doch davon gilt es später zu berichten. 

Sicher hat man sich auch in der Rauenthaler Feuerwehr über die moderne Ausstattung und die neue Unterkunft gefreut. Doch musste diese Freude bald einer harten Ernüchterung weichen. Wie überall wurde aus der noch so jungen und enthusiastischen Freiwilligen Feuerwehr schon bald die Feuerlöschpolizei. Gewählte Führungskräfte wurden durch Parteigänger der NSDAP ersetzt. Doch diese dunklen Wolken sollten erst die Vorboten dessen sein, was Deutschland bald erwartete.