Jugendfeuerwehr

Im Wandel der Zeit

Jugendfeuerwehr im Wandel der Zeit 
Geschichte der Jugendfeuerwehr Rauenthal

 

Der Wandel der Zeit

Seit den 60er Jahren bestand in der Freiwilligen Feuerwehr Rauenthal eine Jugendgruppe. In diese wurden Jugendliche ab vollendetem 16. Lebensjahr aufgenommen. Die Ausbildung dieser Gruppe wurde während des normalen Übungsdienstes der Wehr durchgeführt. Zur Wahrung ihrer Interessen entsandten die Jugendlichen einen Vertreter ihrer Reihen in den Vorstand der Wehr. 

Nach dem schon in einigen Nachbarorten in den frühen siebziger Jahren erste Jugendfeuerwehren gegründet wurden und durch auswärtigen Schulbesuch zahlreiche Rauenthaler Jungs mit den Mitgliedern dieser Wehren Freundschaften schlossen, wurde dann auch im Frühjahr 1977 in unserer Gemeinde der Gedanke zur Gründung einer solchen Jugendgruppe geboren.

Rasch war ein Laufzettel auf den Weg gebracht in dem sich die Buben, welche bei der Jugendfeuerwehr mitmachen wollten, einschrieben und die Eltern das Einverständnis hierzu erklärten. Bald umfasste die Liste der an einer Jugendfeuerwehr interessierten Jugendlichen stolze 14 Namen. Der Weg für die Gründung einer Jugendfeuerwehr war somit frei und bald konnte es losgehen. Bei der ersten Zusammenkunft der neuen Feuerwehrleute im Juni 1977 waren es dann sogar 16 Jungs, die unter Anleitung von Robert Werner und Heribert Kiefer die ersten Kenntnisse erwarben. An Uniformen war damals natürlich noch nicht zu denken, aber dies tat dem Eifer der jungen Leute keinen Abbruch. Regelmäßig freitags wurde sich zum „Dienst“ im Gerätehaus getroffen. Ab September 1977 übernahmen dann Thomas Gräf, Wolfgang Ringel und Reinhold Wagner die Ausbildung der jungen Kameraden.

 

Bereits in November 1977 richtete die offiziell noch nicht bestehende Jugendfeuerwehr das Martinsfeuer in der Kiedricher Straße aus. Erst zur Weihnachtsfeier bekamen die Jugendlichen die ersten Uniformen. Die Einsatzabteilung hatte auf eigene Kosten für jeden Jugendfeuerwehrmann einen Kombi und ein Schiffchen beschafft. Für weitere Ausrüstungsgegenstände, wie Helme, Koppel oder gar Ausgehuniformen fehlte es zunächst noch an Geld, dies konnte jedoch den Schwung der neuen Sache nicht bremsen. 

Am 17. März 1978 war es dann endlich so weit. Nach dem alle Formalitäten erledigt waren konnte die Gründungsversammlung der Jugendfeuerwehr mit Satzungsgebung und Vorstandswahl erfolgen. Hierzu hatten sich 19 Jugendliche eingefunden. Danach ging alles schnell weiter und bereits am Tag der offenen Tür 1978 konnten die jungen Wehrmänner ihr erlerntes Wissen der Rauenthaler Bevölkerung in einer großen Schauübung an der Kirche demonstrieren. 

So war nach rund einem Jahr aus einer Idee eine feste Institution geworden, aus einem bunten Haufen Jugendlicher eine intakte Jugendgruppe. 

Jugendfeuerwehr und Brauchtum

Vergessene Traditionen leben wieder auf 

In unserer schnelllebigen Zeit geraten immer wieder alte Bräuche in Vergessenheit. So wurde auch in Rauenthal die Tradition des Martinszuges mit anschließendem Feuer und das Johannisfeuer einige Jahre nicht gepflegt. Das Dar nieder liegen dieser alten Sitten missfiel dem damaligen Ortspfarrer Franz Knothe sehr. Deshalb kam er bereits im Oktober 1977 auf die offiziell noch nicht gegründete Jugendfeuerwehr zu und bat diese um Unterstützung bei der Neubelebung dieser schönen Bräuche. Sofort wurde von der Jugendwehr die Ausrichtung des St. Martinsfeuers am 11.11. zugesichert. Schon bald machten sich die Jungs auf den Weg und sammelten Holz für das Feuer. Pünktlich zum Martinstag konnte dann in der Kiedricher Straße das erste Martinsfeuer aufgeschichtet werden. Nach dem Martinsspiel an der Kirche kamen viele Kinder mit leuchtenden Augen und deren Eltern zu dem Feuerplatz - eine alte Tradition war in Rauenthal wieder aufgelebt. 

Ähnlich verhielt es sich mit dem Johannisfeuer. In bewährter Manier zogen die Feuerwehrjungs wieder mit Handwagen in den Wald und sammelten Knüppelholz für eine großes Feuer, welches dann nach Segnung durch den Geistlichen am 23.06.1978 auf dem ehemaligen Schuttplatz abgebrannt wurde. Die Besucher dieser Veranstaltung wurden mit Grillwürsten und verschiedenen Getränken bewirtet. Die Veranstaltung wurde zu einem vollen Erfolg und alle Beteiligten waren sich einig, dies jährlich zu wiederholen. Damit war auch dieser Brauch wieder aufgenommen. 

Mit den beiden Veranstaltungen, welche nunmehr einen festen Platz im Reigen der Veranstaltungen in Rauenthal einnehmen, ging es in den folgenden Jahren rasch aufwärts. Für den oftmals mühseligen Transport des Holzes sorgte bald der zwischenzeitlich leider verstorbene Fritz Oppermann, der sich gemeinsam mit seiner Ehefrau der Förderung unserer Jugendgruppe in besonderem Maße verschrieben hat. Der Veranstaltungsort wurde 1979 auf den Bolzplatz verlegt. Dort nahmen die beiden Feuer dann einen schönen Aufschwung. Hierfür gilt es besonderes den Feuerwehrköchen Günter und Thorsten Haberland zu danken, die es immer wieder vorzüglich verstanden, unsere Gäste mit Spezialitäten vom Grill oder einem herzhaften Eintopf zu verwöhnen. 

 

Immer im Training

Wettkämpfe und Leistungsbewerbe 

Die Feuerwehr lebt in besonderem Maße von dem Geist der Gemeinschaft. Was aber kann diesen Geist besser fördern als die Teilnahme an einem Wettkampf? Schließlich müssen bei einem Feuerwehrwettbewerb üblicherweise 9 Jugendliche (also eine Löschgruppe) gemeinsam ihr Können unter Beweis stellen. Diese Wettkämpfe können in 3 verschiedene Arten eingeteilt werden. Es sind die:

 
 
 1. Leistungsspange
2. die feuerwehrtechnischen Wettkämpfe
3. die spielerischen Wettkämpfe

Bei dem Wettbewerb um die Leistungsspange müssen die Jugendlichen auf vielfältige Weise ihr können unter Beweis stellen. So gilt es hierbei neben dem fehlerfreien Vortagen eines Löschangriffes noch eine Schlauchleitung von 120 m Länge in max. 75 Sekunden zu verlegen. Im sportlichen Bereich müssen die 9 Jugendlichen eine 5 kg schwere Kugel zusammen mind. 55 m weit stoßen sowie einen 1.500 m Staffellauf in max. 4,10 Minuten absolvieren. Im theoretischen Teil gilt es Fragen aus den verschiedenen Bereichen des Feuerwehrwesens aber auch der Gesellschafts- und Jugendpolitik zu beantworten. Bereits 7 mal nahmen die Mitglieder unserer Jugendwehr an dieser Prüfung erfolgreich teil, zuletzt im Jahre 2002. 

Bei den in den achtziger Jahren durchgeführten Eltviller Stadtmeisterschaften nahm unser Nachwuchs selbstverständlich teil. Bei diesem Wettkampf galt es auf Zeit eine Übung nach Feuerwehrdienstvorschrift zu absolvieren und eine Schlauchleitung auszulegen. Ferner mussten diverse Hindernisse im sportlichen Teil überwunden werden. Bei diesen Meisterschaften belegte unser Nachwuchs immer vordere Plätze und konnte 1981 und 1982 den Titel des Vizestadtmeisters und 1982 sogar den des Jugendfeuerwehrstadtmeisters erringen. Eine Bilanz, auf welche wir nicht ohne Stolz blicken. 

So unterschiedlich wie die Anforderungen bei den verschiedenen spielerischen Wettbewerben (Spiel ohne Grenzen, Fussgänger-Ralley usw.), so unterschiedlich sind auch die Erfolge unserer Jugendgruppe hierbei. Die Bandbreite der hier erreichten Plätze reicht vom Siegertitel bis in das Mittelfeld. Immer wurden jedoch beachtliche Leistungen von unseren Jugendlichen erbracht. 


Jugendfeuerwehr unterwegs...

Von Ausflügen und Zeltlagern

Zum Leben einer intakten Jugendgruppen gehören nicht nur Training und Wettkampf. Vielmehr dürfen auch Spaß und Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Daher veranstaltet unsere Jugendfeuerwehr in jedem Jahr mindestens einen Ausflug und alle 2 Jahre ein mehrtägiges Zeltlager. 

Die erste Lagerfahrt erfolgte bereits 1979 und führte zur Domäne Hohlenfels bei Zollhaus. Wanderungen und Geländespiele wechselten hier ab mit Lagerromantik am Feuer. Für alle Teilnehmer, Ausbilder und Jugendliche, eine ganz neue Erfahrung, welche alle noch fester zusammenschweißte. Kleine feuerwehrtechnische Übungen rundeten das Programm ab. Ähnlich verlief auch das zweite Zeltlager, welches wieder in Zollhaus stattfand. Diesmal jedoch mit etwas mehr Routine. 1984 führte uns dann der Weg in den Odenwald. Auf dem Jugendzeltplatz in Hesseneck schlugen wir unser Lager auf. Der nahe Eutersee lockte zum Rudern und Baden. Leider hatte es Petrus nicht sehr gut mit den Jungs gemeint, aber durch die zahlreichen Ausflüge kam keine Langeweile auf. Der Schluchsee war dann 1986 Ziel der Reise. Neben den Schönheiten des Schwarzwaldes lockten der Rheinfall von Schaffhausen und die Donauquelle in Donaueschingen. Besonderer Höhepunkt dieser Fahrt war aber ein Besuch im Feuerwehrmuseum von Salem. 1988 führte unsere Jugendgruppe eine Lagerfahrt nach Weinheim durch. Entgegen der bisherigen Sitte wurde hier nicht gezeltet sondern in einer Jugendherberge geschlafen. Neben ausgiebigen Wanderungen stand die Besichtigung von Heidelberg und dem dortigen Schloss ganz oben auf dem Programm. Wieder mit dem Zelt ging es dann 1990 nach Gedern. Der dortige See bot zahlreiche Freizeitmöglichkeiten, Ausflüge in die Umgebung und nach Fulda rundeten das Programm ab. Hesseneck und der Eutersee lockten 1992 erneut zu einem Zeltlager. Bei diesmal besserem Wetter konnte der Odenwald bei zahlreichen Wanderungen und Ausflügen ausführlich kennen gelernt werden. 1995 war wiederum ein See Ziel der Reise. In Vöhl-Herzhausen am Edersee wurden für eine gute Woche die Zelte aufgeschlagen. Das Wasserkraftwerk und die große Staumauer beeindruckte alle Teilnehmer sehr. Die Besichtigung eines Besucherbergwerkes war ein weiteres Highlight. 1997 reisten wir dann nach Hilst in den Pfälzer Wald. Ausflüge nach Dahn und Pirmasens standen neben Besichtigungen der Maginot-Linie und der Zitadelle von Bitche auf dem Programm. 

1999 zelteten die Jugendlichen in Irrel in der Eifel. Ausflüge nach Trier und Frankreich sowie der Besuch einer Brauerei in Bitburg sind hier besonders zu nennen. An den Gedener See ging es dann 2001. Bei bestem Wetter konnten die Wassersportmöglichkeiten des Sees bestens genutzt werden. Fulda und die nahe Wasserkuppe mit der Sommerrodelbahn waren lohnende Ausflugsziele. 

In 2003 war Forchheim in Franken Ziel eines einwöchigen Zeltlagers. Neben Spiel, Spaß und Geselligkeit wurden Wanderungen und Ausflüge durchgeführt. 

Neben all diesen großen, mehrtägigen Fahrten stehen natürlich auch Ausflüge und Besichtigungen in der näheren Umgebung auf dem jährlichen Programm der Jugendfeuerwehr. So wurden bereits verschiedene Freizeitparks, der Flughafen in Frankfurt und die Opel-Werke in Rüsselsheim, beide samt Feuerwehr, besichtigt. Auch das Technikmuseum in Sinsheim und Speyer war ein lohnendes Ausflugsziel, um hier nur einige zu nennen. 

Früh übt sich ...

Brandschutzerziehung in Kindergarten und Grundschule Richtiges Verhalten im Brandfalle und das Absetzen eines Notrufes kann den Jüngsten in unserer Gesellschaft nicht früh genug vermittelt werden, dies belegen wissenschaftliche Untersuchungen aus Europa und den USA. Aus diesem Grund führen die älteren Mitglieder unserer Jugendfeuerwehr gemeinsam mit erfahrenen Feuerwehrleuten aus der Einsatzmannschaft in jedem Jahr je einen Aktionstag für die ältesten Kinder des Kindergartens und die vierte Klasse der Rauenthaler Grundschule durch. Spielerisch erfahren die Kids an diesen Tagen welche Telefonnummer sie im Notfall wählen müssen und welche Informationen beim Notruf mitgeteilt werden müssen, damit optimal geholfen werden kann. Aber damit nicht genug. Da sich Kinder im Brandfalle oftmals verstecken und glauben, auf diesem Wege dem Feuer zu entgehen, erschweren sie den Rettungskräften die Arbeit und setzen sich selbst erheblichen Gefahren aus. Daher ist es wichtig, den Kindern darzulegen, wie sie sich im Falle eines Brandes verhalten sollen. Bei den Brandschutzerziehungsaktionen hat sich die Mitarbeit unserer Jugendgruppe bestens bewährt. Der nicht allzu große Altersunterschied zeigt den Kindergartenkindern und Grundschülern deutlich, dass nicht nur Erwachsene in Notlagen richtig Handeln müssen, sondern dass auch Kinder/ Jugendliche hier gefordert sind und durchaus auch helfen können. Unsere Jugendfeuerwehr fungiert also bei der Brandschutzerziehung quasi als Bindeglied und hat somit in diesem Bereich eine wichtige Aufgabe, welcher sich die Jungs und Mädels immer wieder gerne stellen. Mehr als 25 Jahre - und kein bisschen greise 

Die Jugendfeuerwehr Rauenthal heute Nach all diesen Berichten aus den vergangenen mehr als 25 Jahren werden Sie sich vielleicht fragen, was unsere Jugendfeuerwehr heute macht. Hier können wir Ihnen, verehrte Leser, versichern, dass sich unsere 16 Jugendlichen (12 Jungs und 4 Mädchen) genauso Tatkräftig präsentieren wie die vielen anderen Jugendlichen dies vor ihnen taten. Mit der Christbaumsammelaktion beginnen alljährlich die Aktivitäten.. Wenige Tage später folgt die Jahreshauptversammlung mit der Neuwahl des Jugendfeuerwehrausschusses, des Selbstverwaltungsgremiums unserer Jugendgruppe. Während der kalten Jahreszeit stehen abwechselnd Unterrichte und Spielabende auf dem Programm unseres Feuerwehrnachwuchses. Praktische Übungen mit den Einsatzfahrzeugen, Schwimmen und andere sportliche Aktivitäten werden den Dienstplan im Sommer abrunden. Mitarbeit ist gefordert bei den Vorbereitungen zum Johannisfeuer. Etwa alle 2 Jahre wird ein Zeltlager veranstaltet. Mit einem abwechslungsreichen Herbstprogramm, gestaltet von einem Ausbilderteam um Jugendfeuerwehrwart Tim Lohn, welcher in dieser Funktion die Nachfolge von Thomas Gräf, Thorsten Klar, Winfried Schmidtner und Alexander Blank angetreten hat, vergeht dann die Zeit bis zum Martinsfeuer wie im Fluge. Mit einer besinnlichen Weihnachtsfeier geht dann das Jahr zu Ende.